Darmkrebsvorsorge mit KI: Künstliche Intelligenz in der Koloskopie

Als erste Praxis in Regensburg haben wir uns zur Einführung der künstlichen Intelligenz bei der Darmkrebsvorsorge entschieden. Den Einsatz der KI konnten wir in einer Testphase selbst erproben und möchten Funktionen und Nutzen kurz erklären.

Das flexible Koloskop überträgt bei der Darmspiegelung Bilder von der Darminnenwand auf einen Monitor. Dort erkennt die untersuchende Ärztin oder Arzt auffällige Stellen in der Darmschleimhaut, die er dann betrachtet und im Zweifelsfall entfernt.

Entscheidende Faktoren sind hier die Erfahrung des Untersuchenden, ein gutes Auge und eine hohe Aufmerksamkeit. Weil das menschliche Auge nicht alles erkennen und nur eine begrenzte Datenmenge verarbeiten kann, werden auch bei erfahrenen Untersucherinnen und Untersuchern kleine und flache Polypen übersehen.

Die KI ist eine computergestützte Bildanalyse, die in Echtzeit das Endoskopiebild mit mehr als 13 Millionen gespeicherten Datensätzen vergleicht und auffällige Areale mit einem Kasten markiert. „Die KI hilft uns, gerade kleine Polypen in schwierigen Positionen zu erkennen“, bestätigt Dr. med. Philipp Dobsch. „Das KI System ist wie ein zweiter Untersucher, der uns kontrollierend über die Schulter blickt.“

Das von uns eingesetzte KI-System der Firma Fujifilm ist darüber hinaus in der Lage, zwischen harmlosen, sogenannten hyperplastischen Polypen, und Polypen, die eine potenzielle Krebsvorstufe darstellen, zu unterscheiden. Insgesamt verbessert die KI die Qualität der Vorsorgeuntersuchung, weil sie mit höchster Sehschärfe und ohne Ermüdung den Nachweis keiner und flacher Polypen verbessert.

Natürlich wird die KI ergänzend verwendet und ersetzt nicht die Ärztin oder den Arzt. Die Kosten für dieses Verfahren werden aktuell leider nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Daher bieten wir den Einsatz als individuelle Gesundheitsleistung (IGEL) an

Beispielvideos

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Häufig gestelle Fragen

  • Was macht der Arzt, während die KI die Untersuchung macht? Gehen Sie einen Kaffee trinken?

 

Die Untersuchung wird weiterhin vom Arzt durchgeführt. Die KI unterstützt uns, während wir spiegeln, damit wir nichts übersehen. Das Prinzip ähnelt der Verkehrszeichenerkennung im Auto. Der Arzt ist unverändert bei der Untersuchung anwesend und führt diese durch.

 

  • Schicken Sie den Videostream online ins Internet und können wir ihn dann anschauen?

 

Nein, die die Analyse passiert parallel zur Spiegelung in einem extra Gerät mit einer speziellen Software (CAD = computer assisted diagnosis – computer-unterstützte Diagnose) im Untersuchungsraum, das wir für die Untersuchung zuschalten. Es gehen keine Daten aus der Praxis ins Netz.

 

  • Verlassen Sie sich auf die KI oder prüfen Sie selbst noch einmal nach, ob die Diagnose stimmt?

 

Wir überprüfen immer nach, ob die Diagnose plausibel erschein; d.h. wir analysieren die Oberfläche der Schleimhaut, auch mit Zuschaltung von Blaulicht, bevor wir etwas abtragen

 

  • Hilft Ihnen das überhaupt? Sie machen das doch schon lange, haben Sie vorher so schlecht untersucht?

 

Es hilft uns beim aufspüren von Polypen, die an schwierigen Stellen liegen: in Kurven, zwischen Falten, unter Schleim. Es ist bekannt, dass bei Koloskopien mindestens 10% der kleinen und 2% der großen Polypen und zum Teil auch der Karzinome übersehen werden. Wir denken, dass die wir die Rate an übersehenen Polypen durch die KI absenken können.

 

  • Hat Ihnen selbst das System schon Polypen gezeigt, die Sie selbst übersehen hätten?

 

Ja, vor allem in Kurven und zwischen Falten.

 

  • Warum habe ich keinen gesonderten Analysebericht zu der Untersuchung erhalten?

 

Die KI-Unterstützung erfolgt in Echtzeit, indem die Software auf dem Untersuchungsbildschirm auffällige Befunde markiert. Hierbei wird kein gesonderter schriftlicher Bericht erstellt.

 

  • Warum wird die KI nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen?

 

Es handelt sich um eine neue Technologie, die teuer in der Anschaffung ist. Auch andere Neuerungen – wir der immunologische fäkale Stuhltest auf Blut (IFOBT) wurden erst Jahre nach der Einführung ins Standardprogramm der Kassen übernommen. Wir rechnen damit, dass dies auch für die KI irgendwann der Fall sein wird.

 

  • Warum hat meine private Krankenversicherung die Kostenübernahme abgelehnt?

 

Leider haben wir auf die Kostenübernahmepolitik der privaten Kostenträger keinen Einfluss. Wie in unserer Honorarvereinbarung bereits erwähnt, können wir diese daher nicht garantieren.

Eine Ablehnung der Kostenübernahme wird meist mit einem von zwei Argumenten begründet:

1. Die Ziffer 5377 sei bei Koloskopien nicht anwendbar.

2. Der Einsatz von KI in der Koloskopie sei ein technisches Hilfsverfahren, das standardmäßig in der Koloskopieziffer (z.B. 687) inkludiert ist.

Dass letzteres nicht der Realität entspricht ist schon daran ersichtlich, dass bisher nur wenige Praxen im Raum Regensburg diese Technologie anbieten können. Die zusätzliche computergestützte Echtzeitanalyse der endoskopischen Bilddaten mittels KI-gestütztem Detektionssystem erfordert den Einsatz eines speziell zertifizierten KI-Systems einschließlich zusätzlicher technischer Verarbeitung der Bilddaten, fortlaufender ärztlicher Überwachung der KI-Hinweise sowie einen über die Standardkoloskopie hinausgehenden Zeit- und Geräteaufwand.

Bezüglich der Abrechnungsziffern besteht das Problem, dass die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) zuletzt am 01.01.1996 novelliert wurde und dementsprechend neue Technologien nicht abgebildet werden. Hierfür werden - mangels Alternativen - sog. "Analogziffern" verwendet. Hier in Analogie zur Ziffer 5377, die eigentlich bisher für andere bildgebende Verfahren wie MRT benutzt wurde. 

Inwiefern dieser Missstand in der geplanten GOÄ-Reform behoben wird, bleibt abzuwarten. Bis dahin bleibt es im Ermessen der privaten Kostenträger, was sie erstatten - und im Ermessen der Patienten, welche private Krankenkasse sie wählen.